Stockcar-Rennen in Österreich: Triumph in Rappolz

05.04.2016 Sie kamen als Außenseiter und gingen als Sieger: Die Steedener Scheu-Brüder („Crazy Horses“) haben das Stock-Car-Rennen im österreichischen Rappolz gewonnen. Als strahlende Sieger kehrten (v. li.) Bianca, Claudia, Uwe, Florian und Reiner Scheu sowie Angela Scheu-Menzel nach Steeden zurück.
Runkel-Steeden.

Jahrelang haben die Steedener Brüder Uwe und Reiner Scheu Prominente für Stefan Raabs „TV Total Stockcar Challenge“ beigebracht, wie Karambolagerennen funktionieren. Das ist nun erst einmal vorbei, nachdem der ProSieben-Moderator seinen Rücktritt vom Fernsehgeschäft verkündet hat. Die Geschichte der Brüder Scheu ist aber noch lange nicht vorbei. Denn jetzt haben sie wieder mehr Zeit, selbst zu fahren.

Man muss schon ziemlich „autoverrückt“ sein, wenn man 1500 Kilometer Wegstrecke hin und zurück in Kauf nimmt, um 666 Minuten durch einen österreichischen Steinbruch zu heizen. Weiter, weiter, immer weiter, ohne dass man bis Rennende weiß, ob man den Zieleinlauf erleben wird und wo man in der Wertung steht. Als Team Scheu sind Reiner und Uwe mit Uwes Frau Bianca, seinem Sohn Florian und Schwiegertochter Claudia bei der ersten Auflage von „Rappolz 666“ angetreten. Gegen 48 andere Teams, überwiegend aus Österreich, die sie vorher alle nicht kannten. Nach Auswertung des Rennens stand später fest. Die Scheus haben 453 Kilometer geschafft und Lokalmatadoren, die die Strecke im Offroad-Park Rappolz sicher in- und auswendig kennen, mal locker um fünf Runden abgehängt. Entsprechend begeistert wurden die Scheus nach ihrem triumphalen Sieg von ihren Stockcar-Kollegen bei der Heimkehr nach Steeden empfangen.

Startnummer 666

Als Titelverteidiger wird das Team Scheu 2017 wieder an den Start gehen, dann mit der Startnummer 666, damit alle anderen Fahrer und Zuschauer wissen, welche tollen Fahrer im Auto sitzen. Niemals zuvor hatten die Scheus ein solches Langdistanz-Rennen hingelegt; vorher sind sie gerade mal Wertungsrennen gefahren, die eine Stunde liefen. „Vorbereiten kannst du dich nicht auf so was“, sagt Uwe Scheu. Es gab vor Ort nicht mal die Möglichkeit, eine Testrunde mit dem eigenen Fahrzeug zu fahren.

Angefangen hatte alles damit, dass die Scheus zufällig die Rennausschreibung im Internet sahen. Und da sie für verrückte Sachen im Motorsport immer zu haben sind und das Wochenende frei war, meldeten sie sich spontan an. Den alten Honda Civic, mit dem sie gefahren sind, haben sie natürlich wie immer selbst präpariert. Dann ging es irgendwann los nach Österreich. „Ich hätte nie gedacht, dass das Auto über elf Stunden durchhalten könnte“, sagt Uwe Scheu. Folglich wechselte das Team am Anfang den Fahrer alle halbe Stunde, „damit jeder mal dran kommt, bis Schluss ist“. Doch nachdem alle fünf durch waren, war das Auto noch völlig okay. Plötzlich wurde aus der „Just for-Fun“-Teilnahme, wie Uwe Scheu sagt, ernst. Denn die Scheus begann der alte Ehrgeiz wieder zu packen. Nun wurde nur noch jede Stunde der Fahrer gewechselt, zuletzt alle 90 Minuten, nur um Zeit zu sparen. Die 1,4-Kilometer-Runden auf der festen Bahn im Steinbruch sind laut Uwe Scheu völlig anders als der tiefe Acker der Steedener Stockcar-Rennen. Doch Routiniers wie die Scheus haben es schon nach wenigen Runde raus, wie es geht.

Die Aktiven des Steedener Teams wussten während des Rennens trotzdem nie, auf welchem Platz sie stehen. „Du siehst, wen du überholst und wer dich überholt“, so der Vorsitzende des Motorsportclubs „Crazy Horses“, „aber du weißt nicht, wie lange andere wegen Fahrer- und Reifenwechseln oder Pannen draußen sind“. Also konnten die Scheus nur eines machen: so schnell wie möglich stundenlang Runden schrubben. Immer mit der Angst im Nacken, dass man durch einen Unfall oder eine Autopanne ausscheiden könnte, wenn man überzieht. Gegen Ende wussten die Fahrer nicht mal mehr, wie lange das Rennen noch läuft. Am Ende wusste Uwe Scheu nur noch eines, bloß weiter Runde um Runde fahren und nicht mehr wechseln. Irgendwann kam dann endlich das Feuerwerk, und es war Schluss. „Das war enorm anstrengend, bis zur letzten Minute durchgehend Power zu geben“, sagt Uwe Scheu.

Reifen waren total runter
Gerade 20 Teams schafften es bis zum Schlusspfiff. Doch Uwe Scheu spürt die alte Power noch in sich. Er war so fokussiert, dass er nicht einmal merkte, dass die Reifen schon völlig abgefahren waren. „Ich bin zum Schluss nur noch auf dem Draht unterwegs gewesen“, musste er nach Rennschluss feststellen. Er will gar nicht wissen, was passiert wäre, wenn das Rennen ein paar Minuten später abgepfiffen worden wäre. Er wollte nur noch wissen, wo sein Team Scheu im Endklassement steht: „Ja, Platz eins.“

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